Ein unkontrolliertes Zucken, ein lauter Fluch oder eine obszöne Beleidigung im völlig falschen Moment: Was für Aussenstehende wie Provokation wirkt, kann für Betroffene zum täglichen Spiessrutenlauf werden. Das britische Drama 'Verflucht normal' von Regisseur und Drehbuchautor Kirk Jones erzählt eindringlich, humorvoll und mit viel Herz von einem Leben, das von Unverständnis geprägt ist - und von der Kraft menschlicher Anteilnahme. Im Mittelpunkt steht John Davidson, der in den 1980er-Jahren als Jugendlicher erste Symptome des Tourette-Syndroms entwickelt. Statt Hilfe erfährt er Ablehnung, Spott und Bestrafung. Auch Jahre später, als erwachsener Mann, kämpft John mit Vorurteilen und den Folgen einer Erkrankung, die kaum jemand versteht. Erst die Begegnung mit Dottie, der Mutter eines früheren Schulfreundes, eröffnet ihm neue Perspektiven. Sie begegnet ihm ohne Berührungsängste und hilft ihm, Schritt für Schritt Selbstvertrauen und Selbstständigkeit zurückzugewinnen. Das Drehbuch verbindet bewegende Schicksalsschläge mit trockenem britischem Humor, ohne die Erkrankung zur blossen Pointe zu degradieren. Gerade diese Balance macht den Film so wertvoll: Man darf lachen, wird aber immer wieder daran erinnert, wie verletzend Unwissenheit und Ausgrenzung sein können. Einzelne Passagen folgen zwar vertrauten Mustern des klassischen Feelgood-Dramas, doch die emotionale Wirkung bleibt davon weitgehend unberührt. Robert Aramayo brilliert als John Davidson. Seine Darstellung ist körperlich fordernd, nuanciert und bemerkenswert authentisch. Auch Maxine Peake als warmherzige Dottie und Peter Mullan als verständnisvoller Tommy überzeugen. Die Inszenierung bleibt angenehm unaufdringlich und lässt den Figuren genügend Raum, während die Musik die Gefühle unterstützt, ohne sie unnötig zu dramatisieren. Die Geschichte beruht auf dem realen John Davidson, der 1971 in Schottland geboren wurde und sich seit Jahrzehnten für die Aufklärung über Tourette einsetzt. 1989 machte ihn die BBC-Dokumentation 'John’s Not Mad' landesweit bekannt. 2019 erhielt er für sein Engagement den britischen Orden MBE. Auch der Film wurde vielfach ausgezeichnet: Unter anderem gewann Robert Aramayo 2026 einen BAFTA als bester Hauptdarsteller - und insgesamt erhielt 'Verflucht normal' drei BAFTA-Auszeichnungen. 'Verflucht normal' ist ein berührendes, aufrichtiges Plädoyer für mehr Verständnis und Menschlichkeit. Ein Film, der unterhält, bewegt und den Blick auf Menschen verändert, die allzu oft vorschnell beurteilt werden. Berührendes Drama, das mit Humor, Herz und starker Hauptrolle für mehr Verständnis wirbt! |